Reitsport

Mädchen und Pferde – eine besondere Liebe

Ein Tag mit Jasmin Lüdecke und Larissa Bohnstedt beim 46. Reit-, Spring- und Fahrturnier des SV Grabow/Blumenthal zeigt eines ganz deutlich – vor allem Mädchen sind fasziniert von den friedlichen Vierbeinern. Sie verbringen vor allem viel Zeit mit ihnen.

Larissa bei der Siegerehrung.

Larissa bei der Siegerehrung. Quelle: Fariba Nilchian

Es ist noch dunkel, als bei den Bohnstedts am Samstag morgen der Wecker klingelt. Um 4 Uhr früh schält sich die Familie zu nachtschlafender Zeit aus ihren Betten, denn heute ist Turniertag in Grabow. Um Punkt 7 Uhr muss Tochter Larissa mit ihrem Pony gesattelt und gestriegelt am Start stehen.

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ZUR GALERIEMädchen und Pferde – das ist eine ganz besondere Kombination. Das wurde auch beim 46. Reit-, Spring- und Fahrturnier des SV Grabow/Blumenthal wieder deutlich.

Seit ihrem vierten Lebensjahr reitet Larissa Bohnstedt. Geerbt hat sie diese Leidenschaft von Mutter Nicole, die mit elf Jahren begonnen hat und nunmehr seit 26 Jahren im Sattel sitzt. Das Feuer für Pferde hat inzwischen sogar auf den Vater übergegriffen. Der reitet allerdings nur freizeitmäßig und bei den Wettbewerben ist er einer der sogenannten „Turniertrottel“, also Fahrer und Helfer seiner Sportlerinnen. Marten Bohnstedt scheint es nicht zu stören, denn die Familie plant in dieser Saison an etwa 22 Turnieren teilzunehmen.

Abwechslungsreiches Turnier

Der Wettbewerb in Grabow zieht Pferdefreunde aus ganz Norddeutschland an. In der Dressur messen sich die Reiter bis zur zweitschwersten Prüfungsklasse M. Die Springprüfungen gehen bis zur schwersten Klasse S und bieten den Profis die Möglichkeit, sich für das Bundeschampionat zu qualifizieren.

Larissa mit Papa und Mama

Larissa mit Papa und Mama. Quelle: Fariba Nilchian

Drei Tage wird in Grabow vom frühen Morgen bis in die Abendstunden geritten, gesprungen und Kutsche gefahren. Für die Freizeitreiter und -fahrer aus der Region bietet das Turnier gute Möglichkeiten, ihre eigenen aber auch die Fähigkeiten ihrer Pferde unter Beweis zu stellen. Der Vorsitzende der reiterlichen Abteilung des SV Grabow/Blumenthal, Thomas Lengert, legt auf diese Mischung besonderen Wert. „Wir möchten, dass hier jeder in den verschiedenen Disziplinen teilnehmen kann. Vom Amateur bis zum Profi.“

Erstmals gemeinsam beim Wettbewerb

Für Jasmin Lüdecke und ihr Pflegepferd Nanouk ist es an diesem Wochenende die erste Turniererfahrung. Seit Monaten üben die beiden für ihren ersten gemeinsamen Wettbewerb. Der junge Wallach zeigt viel Begabung fürs Springen, und die zwölfjährige Jasmin meistert schon bald beachtliche Hindernisse mit ihm.

In den Wochen vor dem Turnier haben sie sogar regelmäßig Unterricht genommen. Zum Glück ist Trainer Mike Seidel auch am Turniertag dabei, denn der sonst so entspannte Wallach hat eine plötzliche, aber hartnäckige Abneigung gegen seinen Pferdehänger entwickelt. Nur mit der Autorität eines Profis kann er dann doch vom Einsteigen überzeugt werden.

Parcoursabläufe müssen im Kopf sein

Sieben Sprünge müssen die beiden bei ihrer ersten Prüfung bewältigen. Klingt nicht schwer. Aber die genaue Reihenfolge, inmitten von vielen anderen Hindernissen auf dem Platz zu verinnerlichen, ist bei genauer Betrachtung gar nicht so leicht. Die Teilnehmer schreiten vor dem Start konzentriert den Parcours ab.

Larissa und ihr Pony sind ein eingespieltes Team

Larissa und ihr Pony sind ein eingespieltes Team. Quelle: Fariba Nilchian

Jasmin wiederholt die Reihenfolge noch ein letztes mal mit ihrem Trainer und scheint dann einigermaßen sicher. „Angst hab ich nur, dass Nanouk ein Hindernis verweigert“, sagt die zwölfjährige Blumenthalerin. Dann schwingt sie sich auf den Schimmel, und zum Aufwärmen überwinden die beiden schon einmal gekonnt ein paar Hindernisse auf dem Abreiteplatz.

Buntes Treiben nebenbei

Mehr als tausend Nennungen sind für das diesjährige Turnier in Grabow eingegangen und über 500 Besucher strömen an den drei Tagen auf die gepflegte Anlage. Parallel werden auf mehreren Plätzen die Reit- und Fahrprüfungen unter den strengen Augen der Richter abgehalten.

Bratwurst- und Bierbuden fehlen nicht, und auch ein Reitsportladen lädt an seinem Stand zum Shoppen ein. Dazwischen ein reges „Hallo“ und Händeschütteln. Gespräche über die gute Heuernte, die Leistungen der Pferde und natürlich, etwas leiser, der Tratsch über die Reiter. Das Turnier in Grabow ist auch ein gesellschaftliches Event für die Region.

Aus Freizeitbeschäftigung wurde Passion

Die Familie Bohnstedt aus Frehne ist ein fester Bestandteil der Prignitzer Turnierszene und die Turniere sind ein fester Bestandteil des Familienlebens. In Grabow sind alle drei Generationen anwesend, nur die Großmutter mütterlicherseits ist zu Hause geblieben, um die Pferde zu versorgen.

Als Larissa vor elf Jahren geboren wurde, hatten die Bohnstedts nur ein Pferd für das Hobby der Mutter. Doch als die Tochter nicht nur Interesse, sondern auch Begabung und Ehrgeiz für das Reiten zeigte, hat sich die Freizeitbeschäftigung zum Lebensstil der ganzen Familie entwickelt. Inzwischen stehen zwölf eigene Pferde auf dem Hof der Bohnstedts.

Die Spannung steigt

Um 14 Uhr ist die Prüfung der A-Dressur. Nicole Bohnstedt hat den Ritt bereits hinter sich und verrät nur soviel: „Meine Reithose ist noch sauber und ich hab eine Note bekommen. Den Rest will man nicht wissen. Alles gut“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Vor dem Start der Tochter in der gleichen Prüfung scheint die Spannung aber noch einmal zu steigen.

Larissa bei der Siegerehrung

Larissa bei der Siegerehrung. Quelle: Fariba Nilchian

Während Larissa mit ihrem New Forest Pony auf den Platz reitet, gesteht ihr Vater, „wir fiebern schon immer sehr mit. Am aufregendsten ist es beim Springen, da muss ich dann auch mal weggehen“. Doch Larissa zeigt bei der A-Dressur eine gute Leistung. Als Elfjährige kommt sie auf den vierten Platz der anspruchsvollen Prüfung, die für alle Altersstufen offen ist.

Dabei sein ist alles

Jasmin hat nicht so viel Glück bei ihrer Springprüfung und scheidet schon beim zweiten Hindernis aus. Ihre Vorahnung hat sie nicht getäuscht, das junge Pferd verweigert beharrlich und der Wettbewerb ist für die beiden früh vorbei. Doch die Enttäuschung hält nicht lange vor, schon beim Absatteln scheint der olympische Gedanke wieder zu siegen. „Wann machen wir die nächste Reitstunde?“ fragt sie ihren Trainer gut gelaunt und gibt dem Pferd noch ein Leckerchen und eine ausgiebige Streicheleinheit.

Von Fariba Nilchian